Windel Ratgeber: Die richtige Windel für mein Kind

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Werdende Mütter und Väter werden angesichts dieser Zahl erschrocken sein: 7000. So viele Windelwechsel sind nötig, bis das Baby trocken ist – wobei es Kinder gibt, die schon mit zwei Jahren nachts keine Windeln mehr brauchen, während andere noch mit fünf sicherheitshalber über Nacht gewickelt werden müssen. Normal ist alles, wirft aber die Frage auf, welches Windelmodell das richtige ist. Der folgende Ratgeber hilft bei der Entscheidung.

Zu Anfang war die Windel … nass

Einst wurden die Babys auf Heu und Stroh gebettet – diese Materialien konnten die Flüssigkeit sehr gut aufnehmen. Windelmodelle aus Stoff kamen später erst zum Einsatz, denn sie waren teuer und für das einfache Volk kaum erschwinglich. Später wurde Moos in Tücher gelegt, wobei Öle und Wachs dabei halfen, die Tücher wasserdicht zu machen.

Wegwerfwindeln wie heute kannte vor hundert Jahren noch niemand, sie wurden erst ab 1961 vermarktet. Hierfür zeichnet Marion Donovan verantwortlich, die nach einer Lösung suchte, wie sich die Haut des Babys schonen ließ, indem die Windel die maximale Menge an Flüssigkeit aufnahm, die Oberfläche aber trocken blieb. Zuvor gab es die Stoffwindel, die anfangs allein, später in Kombination mit einer Windelhose aus Plastik verwendet wurde.

Stoffwindeln sind auch heute noch im Einsatz, wobei sie in jüngster Zeit sogar wieder regelrecht in Mode gekommen sind. Viele Eltern schwören auf diese Windelart, wälzen verschiedene Ratgeber und entscheiden sich immer wieder dafür. Das ökologische Bewusstsein spielt hier sicherlich eine Rolle, obwohl es ein Trugschluss ist, zu behaupten, dass Stoffwindeln wirklich ökologisch verträglicher sind als Wegwerfwindeln.

Video:Schwimmwindeln (Video 3)

Ratgeber: Welche Windel ist die richtige?

Bei der Entscheidung für oder gegen eine Windelsorte helfen sicherlich so mancher Ratgeber und auch die Gegenüberstellung beider Möglichkeiten: So gestaltet sich der Kostenfaktor bei Wegwerfwindeln ähnlich hoch wie bei Stoffwindeln, denn Letztere müssen zuerst angeschafft und können dann wieder verwendet werden.

Dafür müssen sie allerdings regelmäßig in die Waschmaschine wandern, teilweise werden sie danach im Trockner behandelt. Sie kosten also zusätzlich zur Anschaffung Wasser, Strom und Waschmittel. Im Laufe der Jahre, in denen Sie Ihr Baby wickeln, summiert sich das auf ähnlich hohe Kosten, die auch für Pampers und Co. anfallen. Ökologisch vertretbarer sind Stoffwindeln durch die Umweltbelastung beim Waschen ebenfalls nicht.

Kinder mit empfindlicher Haut sind in Pampers besser aufgehoben, denn hier bleibt die Oberfläche der Haut schön trocken. Geht es darum, ein Kind trocken zu bekommen, sind Stoffwindeln die bessere Wahl, denn hier merkt das Kleine den unangenehmen Unterschied zwischen trocken und nass wirklich. An dieser Stelle sei aber angemerkt, dass sich das Trockenwerden nicht trainieren lässt, denn es ist eine hormongesteuerte Angelegenheit. Der Körper des Kindes muss die entsprechenden Hormone bereitstellen, damit nachts weniger Urin produziert wird und diese geringere Menge „eingedickt“ ist – erkennbar wird das am deutlich dunkler gefärbten Urin in der Nacht.

Kann der Körper diesen Vorgang noch nicht steuern, können Sie Ihren kleinen Schatz gern auch nachts auf die Toilette setzen. Außer, dass Sie ihm den Schlaf rauben, bringt das aber langfristig nichts. Natürlich bleibt die Windel dann zwar trocken, aber nicht, weil das Kleine spürt, dass es auf die Toilette muss, sondern nur, weil Sie den Toilettengang vorgegeben haben. Gönnen Sie also sich und Ihrem Baby den Schlaf und vertrauen Sie auf die Natur – und auf ein bisschen Unterstützung durch Stoffwindeln, wenn Sie möchten. Irgendwann ist jedes Kind tagsüber trocken und kann auch in der Nacht durchhalten.

Werdende Eltern sind von dem Angebot an Windeln schier erschlagen. Dass Sie die Windelgröße der Entwicklung des Kindes anpassen müssen, ist klar. (#01)

Werdende Eltern sind von dem Angebot an Windeln schier erschlagen. Dass Sie die Windelgröße der Entwicklung des Kindes anpassen müssen, ist klar. (#01)

Ratgeber: Welche Windelgröße wählen?

Werdende Eltern sind von dem Angebot an Windeln schier erschlagen. Dass Sie die Windelgröße der Entwicklung des Kindes anpassen müssen, ist klar.

Auch zu Beginn ist es noch einfach – Sie kaufen einfach Größe 1. Doch die Gewichtsangaben der Hersteller passen oft nicht zu den Babys, denn sind diese zwar groß, dafür aber recht schlank, brauchen sie dennoch schon die nächste Windelgröße. Kleine, moppelige Babys benötigen ebenfalls oft eher die nächste Größe, weil die Verschlüsse der Windel nicht mehr ausreichend halten. Die Herstellerangaben beziehen sich auf Kinder, die sich an durchschnittliche Körpergrößen und –gewichte halten.

Doch welches Kind entspricht schon genau dem Durchschnitt? Hier helfen im Grunde nur Erfahrung und ein wenig Probieren – haben Sie sich für die falsche Größe entschieden, finden Sie vielleicht im Bekanntenkreis noch jemanden, der Ihnen diese Packung abnimmt. Bedenken Sie auch den Schnitt der Windel bei der Auswahl der richtigen Größe. Modelle, die als Höschen konzipiert sind, können oftmals eine Nummer kleiner gewählt werden als die typischen Windeln, die Sie normal wickeln müssen.

Stoffwindeln sind in der Regel als Einheitsgrößen mit 80 x 80 cm erhältlich, je nach Hersteller gibt es aber auch kleinere Ausführungen, die sich vor allem für Neugeborene eignen. Tipp: Üben Sie am besten einmal an einer Puppe das Wickeln von Stoffwindeln. So bekommen Sie das Gespür für die richtige Größe und sind schon versiert, auch wenn der Nachwuchs wieder einmal nicht stillhalten will.

Video:Wir testen Windeln I Gr. 4+ I Pamers & Co.

Ratgeber: Wickeln und Pflege

Mit der richtigen Windel ist der Grundstein für einen gesunden Windelbereich und für das Wohlbefinden Ihres Kindes gelegt. Doch natürlich kommt es auch auf die Pflege an, die dafür sorgt, dass sich die Haut nicht rötet. Die Hersteller von Pflegeprodukten wollen Eltern natürlich verkaufen, dass alles von der richtigen Creme abhängt. Doch dem ist nicht so – häufiges Wechseln der Windel, viel Luft an Babys Po und bei leichten Rötungen eine Calendula-Creme (sowie bei stärkeren Reizungen eine Zink-Emulsion) sind schon ausreichend.

Sie brauchen weder Seife noch parfümierte Feuchttücher – die beste Reinigung wird durch einen feuchten Waschlappen ermöglicht. Hebammen empfehlen, bei gereizter Haut ein wenig Muttermilch aufzuträufeln und diese antrocknen zu lassen. Auch einige Tropfen Calendulaöl oder Weizenkeimöl im Badewasser helfen, die Haut zu beruhigen. Bildet sich jedoch eine Windeldermatitis aus (Entzündung der Haut mit Bläschen und offenen Stellen) oder zeigt sich ein Windelsoor (weiße Stellen auf roter Haut, Pilzerkrankung), so ist der Gang zum Kinderarzt angezeigt.

Welche Windelmarke die richtige ist, kann dieser Ratgeber allerdings nicht beantworten. Die populärste dürfte wohl die Pampers sein, die allerdings auch recht kostenintensiv ist. Es gibt aber viele Eltern, die auf diese Windelmarke schwören und sogar so weit gehen, dass sie keine andere mehr ausprobieren wollen. Viele sehr günstige Windelmarken können auch gut sitzen, die Oberfläche bleibt aber nicht bei allen so trocken wie gewünscht. Andere sind zu eng geschnitten.

Tipp: Lesen Sie die Testergebnisse von Stiftung Warentest und tauschen Sie sich mit anderen Eltern aus. Danach hilft nur noch, die Windeln der Wahl zu probieren. Die richtige Passform und ein häufiges Windelwechseln (sofort nach dem großen Geschäft, spätestens alle zwei Stunden oder wenn sich die Windel nass anfühlt beim kleinen Geschäft) sind aber das A und O als Vorsorge gegen einen wunden Po.

Windeln beim Planschen

Aus hygienischen Gründen sollte das Baby beim Planschen im Pool oder im Schwimmbad eine Schwimmwindel tragen. Diese versprechen zwar oft mehr als sie halten, doch zumindest der Großteil des „Geschäfts“ bleibt eingeschlossen. Sollten Sie einen längeren Tag am und im Wasser verbringen, sollten Sie die Schwimmwindel natürlich ebenso regelmäßig wechseln wie eine normale „Trockenwindel“. Auch dann, wenn Sie Ihr Kind zwischendurch aus dem Wasser nehmen und es sich erst einmal wieder aufwärmen soll, geben Sie ihm bitte eine frische Windel.

Video:Baby richtig wickeln

Interessante Entwicklung: Windelfrei von Anfang an?

Nun beschäftigt sich so mancher Ratgeber mit der Frage, welche Windelsorte denn die richtige sein könnte. Doch was, wenn sich Mama und Papa entscheiden, dass das Kleine von Anfang an windelfrei sein soll? Es gibt in den USA bereits seit längerer Zeit eine Bewegung, bei der die Kinder ab einem Alter von sechs Monaten aufs Töpfchen gesetzt werden. Früher oder später landet natürlich etwas darin und Mama und Papa freuen sich. Was das für die Psyche des Kindes bedeutet, ist eine andere Frage. Immerhin ist das Kleine rein physisch gesehen zu diesem Zeitpunkt noch gar nicht in der Lage, seine Ausscheidungen zu kontrollieren, geschweige denn, dass es versteht, was die Großen eigentlich von ihm wollen.

Wer sich mit der windelfreien Methode auseinandersetzen möchte, sollte in jedem Fall stressresistent sein und viel Zeit mitbringen – denn diese geht für das Waschen von Kleidung und Fußböden in hohem Maße verloren. Außerdem sollten Sie Ihr Kind sehr gut beobachten und seine Körpersprache lesen können. Denn nur so können Sie einschätzen, wann der Zeitpunkt gekommen sein könnte, dass ein Geschäftchen verrichtet werden muss.

Die Methode „windelfrei“ wird in vielen Fällen mit einer „Windelsicherung“ kombiniert werden müssen, denn wenn Sie mit Ihrem Kleinen zum Arzt müssen, spazieren gehen wollen oder anderweitig unterwegs sind, dürfte es vor allem im Winter schwierig werden, ganz ohne Nässeschutz auszukommen. Im Haus oder in der warmen Jahreszeit noch im Garten, dort mag es möglich sein, auf den Windelschutz zu verzichten. Ansonsten wiegen jedoch die Hürden des Vorhabens seine Vorteile meist wieder auf.


Bildnachweis: © Fotolia Titelbild:andriano_cz -#01:dima_pics

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Über Rebecca Liebig

Rebecca Liebig ist gerade im achten Monat schwanger. Voller Vorfreude auf ihr Baby genießen sie und ihr Mann die spannende Zeit. Von der ersten Übelkeit bis hin zu den Bewegungen ihres Mädchens halten sie alles fest. Schließlich möchte man sich später ja auch an diese Zeit erinnern. Bei der Planung des Kinderzimmers gehen die Vorstellungen zwar auseinander. In einem sind sich Rebecca und ihr Mann jedoch einig: Die aufregende Zeit wollen sie so richtig genießen. Rebecca plant, drei Jahre mit ihrer Tochter zu Hause zu bleiben. Auch ihr Mann möchte zwei Monate Elternzeit nehmen.

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